Spannender hätte das Rennen des olympischen Triathlons der Frauen nicht enden können. Nicola Spirig holt nach zwölf Jahren für die Schweiz wieder Olympisches Gold. Am Ende war es das Zielfoto, dass den Unterschied ausmachen musste. Die Schwedin Lisa Norden holte trauriges Silber und Bronze ging an die Australierin Erin Densham.
Auf den letzten 100 Metern kamen beide Athletinen in den Endspurt. Keine wollte die Goldene der anderen überlassen. Mit dem bloßen Auge war die Siegerin nicht zu erkennen. Innerhalb weniger Minuten kam das für die Schweizerin günstige Ergebnis der Jury.
Samstagmorgen ging das Rennen los und alle erwarteten ein unglaublich hohes Tempo. Lucy Hall, der Tempomacher für Topfavoritin Helen Jenkins gibt im Wasser das Tempo vor. Doch schon nach wenigen Hundert Meter ist allen klar, dass nur eine kleine Anzahl an Athletinnen das Tempo halten kann. Jenkins gehörte da nicht mehr dazu. Nach 18:16 Minuten klettert Hall als Erste aus dem See des Londoner Hyde Parks. Knapp dahinter die Dänin Line Jensen, Mariko Adachi aus Japan, die Brasilianerin Pamela Oliveira, Claudia Rivas (MEX) sowie die US-Amerikanerin Laura Bennett und Jessica Harrison aus Frankreich.
Die Österreicherin Lisa Perterer kommt mit einer Zeit von 20:17 Minuten als 52. aus dem Wasser. “Bis auf Lucy Hall war ich nur von schlechteren Athletinnen umgeben. Viele wollten sich bei mir anhängen, es gab viele Tritte und Hiebe. Dadurch bin ich auch von meiner Ideallinie abgekommen.” Erst nach 20:17 Minuten kam die 20-Jährige aus dem Wasser, weiter ging es mit 40 Kilometern am Rad. “Ich habe versucht aufzuholen, aber ein schmerzendes Knie hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.” Das Positive: Lisa Perterer beendete die Raddistanz, im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen sturzfrei, ergänzt aber: “Des Öfteren habe ich auf dem nassen Untergrund ganz schön gezaubert.” Beim abschließenden 10-Kilometerlauf gab das Triathlontalent noch einmal alles, auch wenn die Chance auf eine Spitzenplatzierung nicht mehr gegeben war. “Ich kann stolz sein, dass ich mich durchgebissen habe. Aufgeben war zu keinem Zeitpunkt ein Thema. Die Erfahrungen die ich in London sammeln durfte, sind sehr, sehr wertvoll für Rio”, so Lisa.
Am Rad stürzt gleich mal die ehemalige Weltmeisterin aus Australien Emma Moffat und gibt das Rennen auf. Ein fünfköpfiges Führungsbündel setzt sich in Bewegung ohne eine taktische Entscheidung zu treffen entweder die Flucht nach vorne anzutreten oder sich in das Hauptfeld zurückfallen zu lassen. Doch Bazlen und Spirig drücken einfach aufs Tempo und holen am Ende der zweiten Radrunde die Führenden ein und plötzlich sind da 22 Fahrerinnen in der Führungsgruppe.
In der Wechselzone und unmittelbar danach formt sich langsam ein Bild der möglichen Medaillengewinner. Elf Athletinnen, darunter Jenkins, die beiden Australierinnen Erin Densham und Emma Jackson, das US-Duo Laura Bennett und Sarah Groff, die Schweizerin Nicola Spirig, Lisa Nordén aus Schweden und Rekord-Olympionikin Anja Dittmer. Densham als starke Läuferin zermürbt mit ihren Antritten immer wieder einige Konkurrentinnen, so auch Dittmer und Bennet. Etwas später muss die junge Jackson nachlassen.
Rund zwei Kilometer vor dem Ziel ist es ein Wechselspiel aus Tragik und Hochdramatik. Helen Jenkins, die britische Goldhoffnung, kann das Tempo einfach nicht mehr halten. Sie wird schlussendlich Fünfte. Groff fehlt auf den letzten Kilometern einfach die Kraft. Der Kampf um Gold wird dann tatsächlich in einem Triathlon-Sprint ausgetragen. Spirig holt rund 80 Meter vor dem Ziel tief Luft und kann sich tatsächlich absetzen. Densham muss am Anfang der Zielgerade ihre beiden Konkurrentin ziehen lassen und wird Dritte.
Auf der Ziellinie werfen sich beide Athletinnen im wahrsten Sinne des Wortes hinein und reißen die Arme in die Höhe. Doch nur die Arme der Schweizerin werden heute Abend weiter oben bleiben.
Lisa Perterer beendet ihren Triathlon als 48 mit 9:24 Minuten Rückstand. Sie hat sich wacker geschlagen.
1 43 Switzerland SPIRIG Nicola 1:59:48.00 +0:00 +
2 20 Sweden NORDEN Lisa 1:59:48.00 +0:00 +
3 25 Australia DENSHAM Erin 1:59:50.00 +0:02 +
4 53 USAa GROFF Sarah 2:00:00.00 +0:12 +
5 10 Great Britain JENKINS Helen 2:00:19.00 +0:31 +
6 32 New Zealand HEWITT Andrea 2:00:36.00 +0:48 +
7 45 Spain MURUA Ainhoa 2:00:56.00 +1:08 +
8 26 Australia JACKSON Emma 2:01:16.00 +1:28 +
9 12 France HARRISON Jessica 2:01:22.00 +1:34 +
10 33 New Zealand McILROY Kate 2:01:28.00 +1:40






