Tour-Veranstalter nach Stürzen in der Kritik!

(foto: apa/ap/ena)
 
Daniel Martin: "Ich denke, die Veranstalter haben bekommen, was sie wollten" – Eisel: "Ich hoffe, ein Tag reicht"
 
Nach den schlimmen Stürzen bei der 104. Tour de France hat der Ire Daniel Martin harsche Kritik geübt. "Es war sehr rutschig, und ich denke, die Veranstalter haben bekommen, was sie wollten", sagte der Quickstep-Profi, der bei dem Horrorsturz von Richie Porte am Sonntag mitgerissen worden war, die Etappe aber ohne schwerere Blessuren beenden konnte.
 
Porte war auf der Abfahrt vom Mont du Chat von der Strecke abgekommen. Anschließend überschlug sich der Anwärter auf den Gesamtsieg und knallte mit voller Wucht gegen eine Felsböschung. Der 32-jährige Australier erlitt einen Becken- und einen Schlüsselbeinbruch. Laut BMC-Mitteilung muss der Tour-Fünfte des Vorjahrs mindestens vier Wochen lang pausieren. Er muss aber nicht operiert werden.
 
Martin war direkt hinter Porte gefahren und konnte nicht mehr ausweichen. "Er hat nicht gut ausgesehen und sich kaum bewegt, aber ich habe versucht, schnell weiterzufahren", berichtete Martin. 
 
Der Steirer Bernhard Eisel hielt sich mit Kritik zurück. Der Routinier vom Team Dimension Data sah die vielen Stürze dennoch nicht unbedingt als Werbung für den Radsport. "Ich sage nicht, dass die Etappe zu verrückt oder gefährlich war. Aber definitiv eine, bei der einem das Radfahren eine Weile vergeht. Ich hoffe, ein Tag reicht", schrieb Eisel auf Twitter.
 
Für den deutsche Meister Marcus Burghardt ist Portes Sturz nicht auf fehlerhafte Planung der Organisatoren zurückzuführen. "Der Sturz von Richie Porte war kein Sicherheitsproblem", sagte der 34-Jährige vom Team Bora-Hansgrohe am Montag.
 
Der Australier sei wahrscheinlich kurz unkonzentriert gewesen und habe so die Kontrolle über sein Rad verloren. "Ich glaube nicht, dass man jetzt der Organisation einen Vorwurf machen kann. Ich denke eher, dass Richie da einen Fehler gemacht hat, was schade ist", sagte Burghardt. Das Risiko sei auch immer Ermessenssache der Rennfahrer. "Jeder kann für sich selber bestimmen, wie viel Risiko er eingeht. Wenn du auf das Gesamtklassement fährst und dein Hauptkonkurrent attackiert, musst du halt entscheiden, ob du mitgehst oder nicht", sagte Burghardt.
 
Martin führte an, dass die Bedingungen nicht gut gewesen seien. So sie in einer anspruchsvollen Abfahrt viel Kies auf der Straße gelegen. Der 30-Jährige war noch ein weiteres Mal zu Fall gekommen, nachdem er zwar ein Ersatzrad vom neutralen Teamfahrzeug bekommen hatte, aber keine adäquaten Bremsen mehr hatte. Erst mit einem weiteren Ersatzrad vom eigenen Team konnte er seine Fahrt fortsetzen und den Rückstand mit einem Verlust von 1:15 Minuten auf Sky-Kapitän Christopher Froome ("Dieser Crash, das ist schlimm, wirklich schlimm") in Grenzen halten.
 
Am Sonntag gab es weitere Schwerverletzte. Der Brite Geraint Thomas von Sky musste mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben. Der Niederländer Robert Gesink fiel mit einer Lendenwirbelsäulenfraktur aus. Der Italiener Manuele Mori zog sich eine Schulterluxation und eine Brustkorbverletzung zu. Auch Bora-Kapitän Rafal Majka kam schwer zu Sturz, der Pole erreichte stark blutend das Ziel. Einen Tag später gab Majka, der schwere Prellungen und großflächige Hautabschürfungen erlitt, seinen Ausstieg bekannt. Zahlreiche weitere Fahrer trugen nach Stürzen Blessuren davon.
 
Der gesundheitlich angeschlagene Arnaud Démare (FDJ), bislang Zweiter der Punktewertung, überschritt auf der Königsetappe das Zeitlimit und schied damit ebenfalls aus. Der Franzose hatte nach dem Sieg im Chaossprint der vierten Etappe nach Vittel zwischenzeitlich das Grüne Trikot getragen.
 
In den vergangenen Tagen litt der französische Meister aber zunehmend unter den Anstrengungen. Am Sonntag kam er fast eine Stunde hinter Etappensieger Uran ins Ziel, nur knapp 40 Minuten hätten es sein dürfen. Neben Démare wurden sechs weitere Fahrer wegen Überschreitung der Karenzzeit aus dem Rennen genommen. 
 

Zurück